Die Einhegung

Einhegung | Rituell oder statisch | Haselhegung | Hammerhegung

Baumkreis im dänischen Moesgård Museum

Die Einhegung 

Was einem Ort seinen spezifischen Charakter verleiht, ist der Gegensatz zwischen innen und außen. Das althochdeutsche Wort Haga bezeichnet die Einhegung eines Ortes. Im Begriff des Hag steckt der Sinn der Grenzziehung, einen gehegten Raum zu errichten. Was durch eine Hegung abgegrenzt wird, ist innen offen, aber nach draußen geschlossen. Im Innern des Hag wird der Friede gehütet und eine Gemeinschaft, die sich innerhalb seiner Grenzen versammelt, empfindet sich als Kreis um eine sakrale Mitte (zum Beispiel um ein Feuer oder einen Stallr). Es gelten besondere Verhaltensvorschriften, deren Verletzung Unheil zur Folge hat.

Das Einhegen des Kultplatzes dient dazu, die heilige Stätte aus der profanen Umwelt herauszuheben. Dadurch wird sie zu einem . Es ist nicht sicher, ob unsere Vorfahren diese strikte Trennung bereits in früheren Zeiten in jedem Fall so klar handhabten. Heilige Bezirke in Form von Waldabschnitten, Opfermooren bis hin zu rituell genutzten Bauwerken aus Holz, Stein oder Erde sprechen jedoch dafür (hörgr, lundr, vin). Ein deutliches Bild geben uns vor allem die kreisrunden Einhegungen aus Haselstangen bzw. Haselruten, wie es bei Thingstätten aber auch Opferplätzen der Fall war. Übrigens ausgezeichnet im Opfermoormuseum in Niederdorla zu sehen.

Rituell oder statisch 

Einhegungen können nach ritueller oder stationärer Art unterschieden werden. Eine Hammerhegung ist rituell, ein Steinkreis hingegen fest verortet, statisch und bleibend.
In Schweden findet man viele eisenzeitliche Steinkreise, sogenannte domareringar bzw. domarring, die besonders oft im südwestlichen Teil des Landes vorkommen. Eindrucksvoll ist die häufige Neunzahl der Steine, die im Kreis um einen in der Mitte aufgerichteten Stein stehen. De Vries geht davon aus, daß es sich ursprünglich um Ahnengräber handelte, die später als Thingstätten benutzt wurden. Die Steine erfüllen den Zweck der Einhegung. Oft stellte man ihnen sogar auch noch eine schützende „Gestalt“ bei, wie der Wächterstein in Süderbrarup. Dieser zwei Meter hohe Stein weist mehr als 45 Schälchen auf und steht am Rand des Steinkreises auf dem Grabhügel "Kummerhy" aus der späten Bronzezeit 650 bis 500 n.u.Z.. In der Nähe liegt das Thorsberger Moor, ein wichtiger vorgeschichtlicher Opferplatz. Bei Salisbury (etwa 13 Kilometer südlich von Stonehenge) befindet sich aus der Bronzezeit ein Steinkreis von 90 Metern im Durchmesser, der nach Osten geöffnet ist und einen Altar umschließt.

Fest verortete Einhegungen müssen aber nicht zwangsläufig aus Stein bestehen, sie können auch auf andere Weise errichtet sein. Angelsächsische Gesetze erwähnen einen friðgeard – einen Zaun, der einen Baum, einen Stein oder eine Quelle als geheiligte Stätte umschließt. In ihm herrscht ein unverletzlicher Friede. Weiterhin ist der Begriff stafgarð überliefert, der ein Heiligtum bezeichnet, das aus einem umfriedeten Holzpfahl bestand.

Slawischer Tempel in Groß Raden

Im Freilichtmuseum Groß Raden in Mecklenburg-Vorpommern befindet sich ein altslawischer Tempelort des 9. und 10. Jahrhunderts. Deutlich ist der eingezäunte Zugang zu erkennen, der in einer Einhegung um den Tempel verläuft. Im Opfermoor Niederdorla in Thüringen steht ein kleines Heiligtum des 5. Jahrhunderts, das von einem Flechtzaun-Gehege umgeben ist. Besonders schön ist auch ein von Bäumen umgebener Kreis im dänischen Moesgård Museum.

Heiligtum im Opfermoor Niederdorla

 

Die Haselhegung 

Von den halbstatischen Einhegungen aus Haselruten, wie es bei Thingstätten und kleinen Heiligtümern der Fall war, berichten uns altnordische Quellen.

"En þar er dómrinn var settr, var völlr sléttr ok settar niðr heslistengr í völlinn í hring, en lögð um útan snæri umhverfis. Váru þat kölluð vébönd.

Dort, wo das Gericht seinen Platz hatte, war ein ebenes Feld, und rund um das Feld waren Haselstangen gesteckt, und außen ringsum war eine Schnur gezogen; das nannte man die Weihebänder. Egils saga Skalla-Grímssonar (56)

Eine Schnur war im Kreis um die Haselstangen gebunden, um die Hegung symbolisch zu verdeutlichen – man nannte sie Vébond. Baetke übersetzt das Wort als „die Bande, die ein Heiligtum umschließen“. ist die Bezeichnung des Heiligtums oder des geweihten Platzes. Ein Begriff, der auch in vielen skandinavischen Ortsnamen verbreitet ist, wie Vébjorg (jetzt Viborg), Visby, Véstaðr. Auf der Insel Gula Grundet (Schweden) wurde die Thingstätte durch Haselstangen (heslistengr) abgesteckt und mit Bändern umzogen. In dieser Weise wird es auch in dem norwegischen Rechtsbuch des Frostuthings vorgeschrieben: das heilige Band wird auf dem Thingplatz gezogen, so daß der Rat im Innern sitzt. Die Fränkischen Volksrechte (Lex Ribuaria, LXVII, um 613) erwähnen den Eid „vor des Königs Gerichthügel im Kreise und im Haselgehege“, also innerhalb der Zweige (in circulo et hastla id est in ramo). Es ist möglich, daß die Weihebänder später durch Holzgeländer ersetzt wurden, die im Althochdeutschen scranna hießen. Wer also heute im Gegensatz zur Hammerhegung eine historisch belegte Alternative bevorzugt, kann auch eine Haselhegung vornehmen, um seine Blót-Stätte entsprechend einzuhegen.

Die Hammerhegung (auch Hammer-Ritus, Hammerritual) 

Eine weitere, häufig zur Anwendung kommende Art nennt sich Hammerhegung und wird mittels eines rituellen Hammers durchgeführt. Meines Wissens hat sie ihren Ursprung in amerikanischen Asatru-Gruppen und wird zum Beispiel von Stephen Flowers alias Edred Thorsson als Hammerritual in seinem Handbuch der Runen-Magie (2.Auflage auf Seite 106/107) beschrieben.

Die Teilnehmer stehen in der Regel in einem Ritualkreis. Dieser Kreis ist kein Wicca-Kreis, den man nicht ohne spezielle Vorkehrungen betreten oder verlassen darf. Es ist auch kein magischer Schutzkreis oder ähnliches, aber er wird gegenüber der Außenwelt abgegrenzt, er wird zum Vé, zum heiligen Ort. Das ist mit Weihen gemeint.

 

Das Hammerritual nach Thorsson

Hamarr i Nordhri helga vé thetta ok hald vördh!
Hammer des Nordens, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht!

Hamarr i Austri helga vé thetta ok hald vördh!
Hammer des Ostens, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht!

Hamarr i Sudhri helga vé thetta ok hald vördh!
Hammer des Südens, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht!

Hamarr i Vestri helga vé thetta ok hald vördh!
Hammer des Westens, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht!

Hamarr yfir mér helga vé thetta ok hald vördh!
Hammer über mir, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht!

Hamarr undir mér helga vé thetta ok hald vördh!
Hammer unter mir, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht!

Hamarr helga vé thetta ok hald vördh!
Hammer, weihe diese heilige Stätte und halte Wacht!

Im 'AFA Book of Blotar and Ritual' (Asatru Folk Assembly, www.runestone.org)
verwendet Stefn Thorsman folgende Abwandlung:


Hammer im Norden, heilige diese Stätte und hindere alles Übel!

Hammer im Osten, heilige diese Stätte und hindere alles Übel!

Hammer im Süden, heilige diese Stätte und hindere alles Übel!

Hammer im Westen, heilige diese Stätte und hindere alles Übel!

Hammer im Asgard, heilige diese Stätte und hindere alles Übel!

Hammer im Helheim, heilige diese Stätte und hindere alles Übel!

Hammer im Midgard, heilige diese Stätte und hindere alles Übel!

 

 

Quellen

Beck, BrönnleDe Vries, Egils saga Skalla-Grímssonar, Grönbech, KirchgässnerSimek, Steinbock, Ulbrich

 

 

Seiteninfo: 1.Autor: ING | 2.Autor: - | Weitere Autoren: - | Stand: 01.01.2017 | Urheberrecht beachten!