vé und vébond

Inhalt

 

Vé, wihaz, vigja, wihan, wiha

Vé bedeutet Heiligkeit, die äußerste Stärkung und alles, was heilig ist. (Grönbech)

Altnordisch (an.) vé oder germanisch (germ.) wihaz bezeichnen einen heiligen Ort, eine Weihestätte, das Heiligtum, den geweihten Platz oder allgemein einen von Heiligkeit beherrschten Bezirk. In der Mythologie werden selbst die Götterwohnsitze vé genannt (Vafþrúðnismál 51). Daneben steht das Verb an. vigja oder germ. wihan, wiha für  „heilig machen“ oder „mit dem heiligen verbinden“. Als Substantiv ist vé beispielsweise in der Fluchstrophe des Egill Skallagrímsson anzutreffen, in der Egill den Zorn der Götter auf den König Eirík herabruft, weil er die Heiligtümer zerstört habe:

Svá skyldi goð gjalda,
gram reki bǫnd af lǫndum,
reið sé rǫgn ok Óðinn,
rôn míns féar hônum;
folkmýgi lát flœja,
Freyr ok Njǫrðr, af jǫrðum,
leiðisk lofða stríði,
landôss, þanns grandar.

Den Raub meines Gutes soll’n ihm vergelten
die Götter: den König aus dem Land
mögen treiben die Bindenden,
es treffe ihn der Zorn Odins und der Lenkenden;
Frey und Njörd, von seinem Grunde
macht fliehen des Volkes Unterdrücker,
der Landase hasse den Menschenfeind,
der heiligen Stätte verletzt. Egils saga Skalla-Grímssonar (56)

Vébond

Das Einhegen des Kultplatzes dient dazu, die heilige Stätte von der profanen Umwelt zu trennen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, wovon einige auf der Seite Die Einhegung beschrieben sind. Besonders hervorzuheben ist hier jedoch das Wort Vébond, womit die Schnur oder Bande gemeint ist, welche das Heiligtum umschließt. Simek weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß somit auch der Thingplatz als vé betrachtet wurde, weil in Gesetzestexten die Umfriedung der Gerichtsstätte auf dem Thing ebenfalls vébond genannt wird. Wieder die Egils saga Skalla-Grímssonar (56) gibt Kunde, daß das Feld des Gerichtsplatzes mit Haselstangen abgesteckt wurde, um die eine Schnur gezogen war, und das nannte man vébond.

En þar er dómrinn var settr, var völlr sléttr ok settar niðr heslistengr í völlinn í hring, en lögð um útan snæri umhverfis. Váru þat kölluð vébönd.

Dort, wo das Gericht seinen Platz hatte, war ein ebenes Feld, und rund um das Feld waren Haselstangen gesteckt, und außen ringsum war eine Schnur gezogen; das nannte man die Weihebänder. Egils saga Skalla-Grímssonar (56)

 

Im heiligen Ort, dem Speicher des Heils, war das Leben der Verwandten verborgen, und während sie im Leben meist außerhalb des Heiligtums gesehen wurden und wirkten, traten sie nach dem Tode hinein und verschmolzen mit dem Heil.

An besonderen Orten stehen wir Angesicht zu Angesicht mit einer Macht, die sich uns anscheinend noch nicht aufgedrängt hat – der Heiligkeit; aber in Wirklichkeit haben wir ihren Einfluß auf Schritt und Tritt gespürt. (Grönbech)

Quellen und Verweise

 

 

Seiteninfo: 1.Autor: ING | 2.Autor: - | Weitere Autoren: - | Stand: 01.01.2017 | Urheberrecht beachten!