Ritualgegenstände

Ritualhammer | Räucherwerk & Räucherschale | Trommel | Rufhorn | Feuerschalen | Trinkhorn

Auf dieser Seite geht es um rituelle Gegenstände und Elemente, die unterstützend ins Ritual integriert werden können. Und noch kurz eins vorweg: Ich finde es gut und richtig, wenn man versucht, sich seine rituellen Gegenstände soweit wie möglich selber herzustellen, oder zumindest ein gewisses Maß an Eigenaufwand einbringt. Häufig reichen ja schon einfachste Hilfsmittel.

Der Hammer (Thorshammer, Mjöllnir, Ritualhammer) 

Das bekannteste Attribut Thors ist wohl sein Hammer (Mjöllnir). Mit ihm werden nach Alter Sitte Gegenstände geweiht, Ehen gesegnet oder Kultplätze eingehegt. Thors weihende Funktion hängt mit der reinigenden und fruchtbarkeitspendenden Macht seines Mjöllnir zusammen, der als Symbol ein hohes Alter aufweist und bis in die Bronzezeit zurückverfolgt werden kann. Der Thryms-Sage nach (Des Hammers Heimholung [Þrymskviða]) wird er der Braut in den Schoß gelegt, um die eheliche Fruchtbarkeit zu weihen: Berið inn hamar brúði at vígja, lekkið Mjöllni í meyjar kné, vígið okkr saman Várar hendi. Bringt den Hammer die Braut zu weihen, legt den Mjöllnir der Maid in den Schoß, gebt uns zusammen nach ehelicher Sitte.

Zahlreiche Zeugnisse belegen Thors Eigenschaft als Weihegott: Verschiedene Weiheformeln von Runenstein-Inschriften wie auf dem Runenstein von Velanda, Västergötland in Schweden (Thor weihe / ÞuR : uiki), auf dem Runenstein von Glavendrup (Thor weihe diese Runen / ÞuR wihi thasi Runar) oder auf dem Runenstein von Virring (Thor, weihe diese(n) Grabhügel / Þur uiki þisi kuml), oder die Runen der Bügelfibel von Nordendorf (Wigiþonar), die erwähnte Þrymskviða Strophe 30, 31 und entfernt auch die Thor-Darstellung auf den Bildstein von Altuna.

In der Praxis kommen zwei Möglichkeiten zum Einsatz: Man macht ein Hammerzeichen (Hamarsmark) über etwas oder nimmt einen reellen Hammer, der rituell eingesetzt wird. Schön ist ein künstlerisch gestalteter Hammer aus Holz oder Stahl. Mit diesem Hammer macht man dann wieder das Hammerzeichen oder legt ihn auf den zu weihenden Gegenstand.

Bei der Gestaltung eines eigenen Ritualhammers sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Persönlich bevorzuge ich schlichte, natürliche oder alte Gegenstände. Die Schnitzereien aus Soarholz, den man seit einigen Jahren beinahe massenhaft auf Märkten und in Internetläden begegnet, stehe ich ablehnend gegenüber. Vorstellbar wäre, sich einen alten Hammer zu besorgen (ein Dengelhammer hat eine passende Form) oder einen Hammerkopf schmieden zu lassen. Letzteres habe ich gemacht: Einen geschmiedeten Hammerkopf mit einem Eichenholzstiel aus dem Wald versehen. Etwas nachteilig ist das Gewicht, er läßt sich nicht so leicht mitnehmen und wird daher als Sippenhammer nur zu besonderen Anlässen wie Eheleiten oder Kindsweihen eingesetzt.

Daher möchte ich eine (aus meiner Sicht sehr schöne) Alternative vorstellen, die kostenlos ist und mit einfachen Mitteln zu einem naturverbundenen Ergebnis führt: Deutlich leichter und besser transportabel ist ein Ritualhammer aus Holz. Hier meine ich nicht die Holzhämmer aus dem Baumarkt, sondern Holz aus dem heimischen Wald. Man sucht sich einen besonderen Baum, eine Eiche, eine Buche oder ähnliches, die man vielleicht sogar schon von einem Blót kennt und achtet auf heruntergefallenes Astwerk. Natürlich gehört etwas Glück bzw. Wohlwollen der Götter dazu, eine einigermaßen rechtwinklig gewachsene Astgabel zu finden, die ihrer Form nach einem Hammer ähnlich sieht. Doch auf diese Weise läßt sich ein schöner Ritualhammer herausarbeiten: Äste kürzen bzw. absägen, behutsam trocknen (an einem nicht zu trockenen Ort), vielleicht etwas hobeln und abschließend beschnitzen - fertig.

Bei Interesse kann man mich gerne anschreiben. Gelegentlich bringe ich von Opferstätten aus dem  Wald die eine oder andere schöne Astgabel mit und bin gerne bereit, eine abzugeben… auf eine freundliche Anfrage hin. Wobei ich zugebe, daß das Selbersuchen auch einen meditativen Charakter haben kann.

Räucherwerk und Räucherschale 

Räucherwerk läßt sich im Blót als Opfergabe, zur rituellen Reinigung und allgemeinen Unterstützung für eine weihevolle Stimmung verwenden. Seit alters her gelten aromatische Räucherstoffe als besondere Gaben der Natur. Ihr Verglimmen auf glühender Kohle treibt wohlriechende Duft- und Wirkstoffe aus dem getrockneten Räucherwerk. Durch den aufsteigenden Rauch werden sie emporgetragen und in der Umgebung verteilt.

Es bietet sich eine einfache Räuchermischung aus heimischen Kräutern, Hölzern und Harzen an. Ungefähr ab der Sommersonnenwende kann damit begonnen werden, die Blätter und Blüten der drei Kräuter Schafgarbe, Rainfarn und Beifuß (im Bild von links nach rechts) zu sammeln, um sie getrocknet als Grundbestandteil für eine Wildkräuter-Räucherung zu nehmen.

Wir bewahren sie in einer Birkendose auf und setzen sie vorwiegend bei unseren Jahresfesten ein. Dreierlei Kräuter, die einen ausgesprochen reinigenden und schützenden Charakter besitzen und vitalisierend wirken. Zusätzlich kann noch Kiefern- und Fichtenharz hinzugegeben werden, sowie Eichenrinde, Holunder- und Wacholderholz. Letzteres steht unter Naturschutz, daher bieten sich Wacholderbeeren aus dem Gewürzregal an. Dies ergibt insgesamt eine angenehm duftende Mischung, die schützend wirkt und sich gut als zusätzliche Opfergabe eignet. Sie besteht aus leicht auffindbaren Bestandteilen, bei denen man nicht viel falsch machen kann. Wir empfehlen das Buch von Marlis Bader - Räuchern mit heimischen Kräutern.

Trommel 

Ein Blót kann durch das Einbringen rhythmischer Instrumente unterstützt werden. Um beispielsweise nach der Vorbereitungsphase Abstand zu finden und sich entsprechend einzustimmen, läßt sich ein einfacher Trommelrhythmus schlagen. Ist der Ritualplatz vorbereitet, entfernt sich die Gruppe ein kleines Stück, um zusammen in den Blótplatz (im Sonnenlauf, Uhrzeigersinn) einzugehen. Besonders schön bei Dämmerung, wenn einige Fackeln oder Schalenlampen den Kreis in leichten Flammenschein hüllen. Dazu ein dumpfer Trommelklang – wunderbar!

Eine einfache Ritualtrommel selber bauen
Der Trommelkörper besteht aus einer einfachen Holzschale, wie man sie überall kaufen oder selber bauen kann. Bespannt habe ich sie mit Hirschleder, das zwar weich, aber trotzdem sehr widerstandsfähig ist. Es erzeugt einen satten, warmen und nicht zu lauten Ton. Im Gegenteil zu einem kleinen Bodhran, das mir in dieser Größe zu hell klingt. Das Hirschleder wird mit kleinen geschmiedeten Haken gespannt und zwar nicht einmalig, sondern vor jeder Benutzung (beim einpacken wird das Fell wieder entspannt, s. Foto). Darauf habe ich geachtet, weil das Fell einer stationär gespannten Rahmentrommel draußen in der freien Natur feucht werden kann, seine Spannung verliert und 'schwabbelig' klingt. Der Holzkörper, der einst eine Schale war, ist unten offen: in den Boden habe ich ein Loch gesägt. Außen habe ich ringsum ein Knotenornament geschnitzt. Unten sind noch Runen eingearbeitet, die man auf den Fotos aber nicht sieht.
Hagalaz Runedance hat ein paar ausgezeichnete Trommelrhythmen in ihren Liedern, an denen man sich zur Übung gut orientieren kann. Sehr klangvoll stelle ich mir auch vor, wenn eine Maultrommel den Trommelrhythmus begleitet. Eine einfache Weise würde reichen, es müssen ja keine lang einstudierten Stücke sein.

 

Rufhorn 

Ein Ritual hat einen festgelegten Anfangs- und Endpunkt, Einleitung und Ausleitung. Ob dies von unseren Vorfahren in früheren Zeiten genauso gehandhabt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis und läßt sich wohl kaum zuverlässig beurteilen. Es erscheint aber sinnvoll, Beginn und Ende klar zu definieren. Ein klangvoller Stoß ins Rufhorn (oder mehrere parallel) ist ein würdiges Signal, mit dem Blót zu beginnen - oder um anschließend zu Feier und Festmahl überzugehen.

 

Feuerschalen (Schalenlampen, Oseberglampen) 

Feuer – eines der Urelemente – darauf wird im Blót nur in Ausnahmefällen verzichtet. Begleitend können Fackeln oder Feuerschalen beigestellt werden, entweder im Kreis um den Ritualplatz oder neben den Stallr (Altar). Schalenlampen gibt es in verschiedensten Ausführungen; geschmiedet, aus Bronze oder Kupfer getrieben. Sie können mit Öl (Speiseöl / von Lampenöl ist abzuraten) oder Wachs (Bienenwachs oder Kerzenreste) zusammen mit Naturgrillanzündern als Docht betrieben werden. Ich persönlich mag die Kombination gerne, wenn jeweils rechts und links neben dem Stallr eine Schalenlampe steht. Besonders frühmorgens oder bei einsetzender Dämmerung erzeugt dies einen stimmungsvollen Anblick (ich denke hier an das Herbstfest oder an eine Großsteinsetzung im tiefgrünen Wald).

Oseberglampe: Der Originalfund liegt im Vikingship-Museum in Oslo.

Heutige Oseberg-Schalenlampen (oder kurz Oseberglampen) orientieren sich am Osebergfund. Beim Osebergfund handelt es sich um ein Wikingerschiff, das als Grabstätte für zwei Frauen diente. Das Schiff wurde etwa 815-820 n.d.Z. gebaut und wird heute im Wikingerschiff-Museum auf Bygdøy in Oslo ausgestellt.

Trinkhorn (Methorn, Gemeinschaftshorn, Opferhorn) 

Vorweg: Natürlich kenne ich die Diskussionen, in denen es um Fragen geht wie: Hat es Trinkhörner früher nun tatsächlich gegeben oder nicht? Oder wäre im Blót nicht auch ein adäquater Ersatz besser bzw. der heutigen Zeit vielleicht angemessener? Wenn man mich fragt, stelle ich die Verwendung von Trinkhörnern nicht in Frage und halte sie für historisch gesichert. Darauf aufbauend, spielen natürlich auch noch weitere Gründe eine tragende Rolle:

Das Horn ist, wie auch andere rituelle Gegenstände, eine Rückverbindung in die Zeit unserer Vorfahren – in eine Zeit, in der die Wurzeln der Alte Sitte liegen... ja, der sie entstammt. Der Met, der sich im Horn befindet, steht im Blót direkt mit den Göttern in Verbindung – er wird ihnen zugeeignet und sie geben ihr Heil in diesen Met. Dadurch wird er heilig und das heißt, er wird mit dem Heil der Asen und Vanen erfüllt. Das erklärt auch, warum Blót-Teilnehmer in manchen Asatru-Gruppen mit diesem Met besprenkelt werden. Sie kommen über den Opfermet mit dem Götterheil in Kontakt. Häufig wird es aber eher so gehandhabt, daß jeder reihum aus dem Horn trinkt und dabei Dankesworte oder Wünsche formuliert.

Niemand vermag, an den Grund des mit Met gefüllten Blóthorns zu schauen. Damit ähnelt es dem Schicksalsbrunnen, der unter den Wurzeln des Weltenbaums entspringt. Pileatus (P.A. Walthard) schreibt:

"Aus diesem Brunnen des Gewordenen schöpfen die Nornen, wenn sie neue Geschicke legen, indem sie das Wasser der Quelle über den Stamm des Weltenbaumes giessen, wo sich wie weisser Sinter das Urlag, das Urgesetz, Schicht um Schicht niederlegt und festsetzt. „Der Baum füllt die Quelle, die Quelle nährt den Baum“, schreibt Bauschatz in „The Well and the Tree“. 
Wenn beim Sumbel vor jedem Trunk vollbrachter Taten gedacht und neue angekündigt werden, wiederholen die Feiernden das Wirken der Nornen. Dies ist der Grund für die besondere Heiligkeit dieses Rituals. Die Teilnehmer begeben sich bewusst in den Fluss des Gewordenen, des Werdenden und des Seinsollenden.  Die Trinkenden schöpfen aus dem Brunnen ihrer Erfahrungen und Erlebnisse die Kraft und das Selbstvertrauen, die sie benötigen, um neue Herausforderungen anzupacken." [Pileatus: Das Sumbel]

 

 

 

 

 

 

 

 

Seiteninfo: 1.Autor: ING | 2.Autor: - | Weitere Autoren: - | Stand: 01.06.2013 | Urheberrecht beachten!