Visbeker Hünengräber

Allgemeines

Bei Visbek (genauer: in Wildeshausen / Großenkneten), Landkreis Vechta im Nordwesten Deutschlands; Visbeker Bräutigam - Google Earth) finden sich die vielleicht berühmtesten Großsteingräber Deutschlands: die Visbeker Braut, der Bräutigam und der "Heidenopfertisch". Günstigerweise parkt man am Gasthof Engelmannsbäke bei Ahlhorn. Dort findet sich der Heidenopfertisch und der Bräutigam, zur (mehr zerstörten) Braut führt ein ausgeschilderter Fußweg ("Brautweg"). In kürzerer Zeit lassen sich weitere Anlagen (Große und kleine Kellersteine, Brautwagen) erreichen. Liebers spricht von der "klassischen Quadratmeile der Vorgeschichte".

Bei den Großsteingräbern handelt es sich um "Massengräber" aus der Trichterbecherkultur (3400 - 2800 v.d.Z.). Die Menschen waren damals Ackerbauern und Viehzüchter und bauten solche Gemeinschaftsgräber offenbar nach dem Vorbild der anderen Megalithanlagen an der französischen Atlantikküste und in Südengland. Ähnliche Gräber findet man bis hinauf nach Schweden, wie ich es auf der Seite über Ekornavallen beschrieben habe. Heute gibt es laut Pörtner noch 538 Hünengräber in Deutschland, davon allein 63 im Raum Oldenburg. In den letzten zwei Jahrhunderten wurden ca. 90% aller Gräber zerstört, wobei man die schweren Steine für unterschiedlichste Bauvorhaben verwendete. Pörtner: "So scheint das Steinkammer-Dorado in der Umgebung des Bräutigams der karolingischen Alexanderkirche in Wildeshausen manchen Findling geliefert zu haben."

Alle diese Grabanlagen bestehen grundsätzlich aus einer Grabkammer, die aus rechteckig aufgestellten, großen Steinen gebildet wurde. Darauf kamen dann Decksteine und alles wurde mit einem Hügel zugedeckt. Die hier vorgestellten Gräber gehören zu den größten in (Nordwest-) Deutschland.
Als kleinster Typ wird der Dolmen aufgeführt: Über einer ungefähr menschengroßen Blockkiste wurden 4 - 6 Findlinge als Decksteine gelegt. Dieses Einzelgrab kommt in Deutschland nur in Schleswig-Holstein vor. Es gibt allerdings auch vieleckige Großdolmen für mehrere Personen. Vom Ganggrab spricht man, wenn Großdolmen mit einem Zugang versehen wurden. In Deutschland herrscht das Ganggrab mit großer Kammer und kleinem Zugang vor, in Dänemark ist es beispielsweise umgekehrt. Beim Steinkistengrab wird der Gang selbst als Begräbnisort genutzt, man spricht auch von gedeckten Galerien. Letztlich zeichnen sich Hünenbetten dadurch aus, daß eine zusätzliche Mauer aus Findlingen um das Grab herum aufgestellt wurde. Die Grabkammer liegt dann - wie beim Bräutigam - an einer der Schmalseiten. Es kann spekuliert werden, ob man nach und nach die gesamte Steinsetzung als Grab nutzen wollte.

Die Homepage Monumentum weist darauf hin, daß die langgestreckten "Hünenbetten" die Form der Langhäuser haben, in denen ihre Erschaffer wohl wohnten. Baute man also in Stein eine Wohnstatt der Toten nach?

Die verwendeten Steine sind während der Eiszeiten von den Gletschern von Skandinavien hertransportiert worden und blieben in der norddeutschen Tiefebene liegen; sie bestehen aus Granit oder Gneis.

Heidenopfertisch

Hierbei handelt es sich keineswegs um einen "heidnischen Altar", wie die Kindesweihe und die Bezeichnung auf einem Steindruck von L. Strack ('Heidnischer Altar bei Engelmanns Bach', 1827) vermuten lassen. Vielmehr haben wir es mit einer christlichen Deutung zu tun, die die imposanten Gräber mit heidnischen Riten in Verbindung brachte. Tatsächlich ist der Heidenopfertisch eine große Grabanlage der Trichterbecherkultur, deren mächtige, westliche Deckplatte noch erhalten ist und mit einer Eiche ein uriges Bild abgibt. Die Grabkammer ist 9,5 x 2 Meter groß, alle Trägersteine sind erhalten, von weiteren Deckplatten wurden nur Reste gefunden. Wie bei vergleichbaren Anlagen, so wurden hier mehrere Generationen von Menschen aus einer Siedlungsgemeinschaft beigesetzt.

Heidenopfertisch
Heidenopfertisch

Visbeker Bräutigam

Der Brätigam ist eine ganz imposante, 104 Meter lange Anlage, die ebenfalls in die Trichterbecherkultur datiert wird. Es ist wohl das mächtigste der deutschen Hünengräber. Man kann die ganze Anlage mit ihren 130 (ursprünglich 170) Findlingen abschreiten, sie ist ca. 8 - 9 Meter breit (die Braut ist etwas kleiner). Über eine lange Erdaufschüttung ("Hünenbett") wandert man zur eigentlichen, 10 Meter langen Grabkammer im Westteil des Bräutigams, die vollständig erhalten ist. Der einzeln stehende Stein im Osten wird als der Bräutigam bezeichnet.
Wie beim Heidenopfertisch, so erklärt auch hier die lokale Sage die Herkunft der Grabanlagen: Ein Mädchen sollte gegen ihren Willen verheiratet werden und wünschte sich, dann doch lieber zu Stein zu werden. Das ging tatsächlich in Erfüllung und ihr Brautzug sowie der entgegenkommende Zug des Bräutigams seien versteinert worden.

Aufgrund vieler Gräber im Umfeld ist auch vermutet worden, daß "Braut" und "Bräutigam" auch kultische Bedeutung hatten. Die Braut wird aufgrund ihrer Ausrichtung auf den Sonnenaufgang zu Mittsommer mit der Sommersonnenwende verbunden, der Bräutigam aufgrund seiner genauen Ost-West-Ausrichtung mit den Tag-und-Nacht-Gleichen (Ostara, Herbstfest). (Faustus Stonepages).

30m vom Bräutigam entfernt findet sich der Brautwagen mit mehreren schweren Decksteinen, von denen einer auf 160 Zentner geschätzt wird. Auch die schon erwähnten Kellersteine finden sich hier.

Visbeker Bräutigam
Visbeker Bräutigam

 

Seiteninfo: 1.Autor: Stilkam | 2.Autor: ING | Weitere Autoren: - | Stand: 01.06.2013 | Urheberrecht beachten!