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Die Bautasteine in einer Linie von Süd nach Nord,
Girommen im Hintergrund, der Cairn am linken Rand.
 

Ekornavallen

Ekornavallen ist eine Ansammlung von frühzeitlichen Gräbern in einem leicht ansteigenden Hang entlang des kleinen Flüßchens Slafsan, das in den "Vogelsee" Hornborgasjön fließt (wo man im übrigen im Frühjahr sehr schön die Kranichbalz beobachten kann).
Die Besonderheit ist, daß dieses Grabfeld über eine Zeit von über 4000 Jahren genutzt wurde, was man anhand der unterschiedlichen Grabtypen bestimmen kann.
Man hat allerdings tatsächlich nur Gräber gefunden, keinerlei Überreste von Besiedlung.

Das Grabfeld liegt in Falbygden, einer Region in Västergötland, Schweden. Wenn man in der Nähe von Falköping ist, erreicht man Ekornavallen, indem man Richtung Håkantorp fährt und von dort der Straße nach Norden Richtung Broddetorp und Hornborgasjön folgt.

Im Touristenbüro sollte man sich das Faltblatt "Ekomuseum Falbygden-Ätradalen - Jordbruksbygd i 6000 år" (1998) besorgen.
Karte von Ekornavallen, Ekornavallen - Google Earth

Mittlere Jungsteinzeit

Aus der Zeit um 3000 v.u.Z. stammen die sogenannten Ganggräber, von denen es 4 in Ekornavallen gibt. Besonders bekannt und wegen seiner Größe auch das Bild der Stätte beherrschend ist "Girommen", ein Ganggrab, dessen Name "Ofen der Riesin" bedeutet, was auf lokale Sagen zurückgeht.
Ganggräber waren Massengräber, die bis zu 100 Leichen enthalten konnten. Girommen war allerdings nur für ca. 20 Menschen konstruiert. Höchstwahrscheinich war es so, daß ein Ganggrab zu einer bestimmten Sippe / Familie gehörte, die dort ihre Toten nach und nach bestattete.
Diese Gräber bestehen aus einer Steinkammer, die aus aufrecht stehenden Steinen gebildet wird und von Decksteinen abgedeckt wurde. Zu dieser Kammer führt ein Eingangstunnel, dessen Öffnung nach Osten weist und der etwas tiefer liegt als die Grabkammer selbst. Charakteristisch ist der "Schwellenstein", der Steinquader zwischen Eingangstunnel und Kammer. Über dem ganzen Komplex war ein Erdhügel aufgehäuft. In der Grabkammer waren die einzelnen Skelette in abgetrennten Nischen zu finden.
Üblicherweise wurden bei Ausgrabungen in Ganggräbern Nahrungsgefäße, Tongefäßsplitter und auch Bernsteinperlen gefunden.
Träger der entsprechenden Kultur waren die Funnel-Beaker-Kultur-Leute.
Girommen ist schon vor langer Zeit stark beschädigt worden. Bei der Untersuchung fand man einen Steinmeißel, einige Bernsteinsplitter und verzierte Tonscherben. Heute ist Girommen mit einem Zaun abgesperrt.
Falbygden war in dieser Zeit ein von relativ vielen Menschen bewohntes kulturelles Zentrum. Von den 375 bekannten Ganggräbern in Schweden liegen 290 in diesem Gebiet!

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Blick in den Eingang von Girommen.
 

Jüngere Jungsteinzeit

Um 2500 v.u.Z. wurde zu einem etwas anderen Grabtyp übergegangen, dem Steinkistengrab. Ebenfalls ein Sippengrab für bis zu 60 Menschen war diese Grabform durch eine aus aufrecht stehenden Steinen gebildete "Kiste" gekennzeichnet. Der Zugang erfolgte durch eine Öffnung in einer der schmalen Seiten des Rechtecks. Auch über diesem Grab erhob sich ein Erdhügel. In den abgetrennten Kammern im Innern des bis zu 5m langen Baus finden sich häufig Feuerstein-Messer, steinerne Speerspitzen oder Pfeilspitzen, Bernsteinperlen und Keramik.
In Ekornavallen gibt es 1 Steinkistengrab, das von einer Steinsetzung umgeben ist.

Bronzezeit

Kennzeichnend für das zweite Jahrtausend v.u.Z. sind sogenannte "Cairns", Grabhügel aus Steinen, die - im großen Unterschied zu den vorherigen Epochen - Einzelgräber darstellen! Damit spiegeln sie auch eine gesellschaftliche Entwicklung wieder: die Entwicklung von hierarchischen Stammesstrukturen und Privateigentum in größerem Umfang.
Der Cairn in Ekornavallen ist fast genau auf der höchsten Stelle des ansteigenden Grabfeldes positioniert. Er ist ca. 20m im Durchmesser und 2m hoch. Den Umfang bilden quer gelegte Steinblöcke, die die übrigen Steine gegen Abrutschen sichern. Die im Innern solcher Hügel der Bronzezeit gefundenen Grabbeigaben sind typischerweise reichhaltig und enthalten Waffen, Schmuck u.v.m.
Theoretisch müßten ca. 20 Menschen ein Jahr an der Fertigstellung dieses Grabhügels gearbeitet haben.

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Auf dem Weg zu Girommen.
 

Eisenzeit

Weniger monumental sind die Grabtypen, die in der Zeit von ca. 400 v.u.Z. bis ca. 500 u.Z. errichtet wurden. Es handelt sich dabei um aufrecht stehende Steine, die entweder in Linien oder Kreisen angeordnet sind (Bautasteine).
In Ekornavallen gibt es 2 Kreise, die als "Domarringe" bezeichnet werden, was "Richterringe" bedeutet und auf die Vermutung verweist, daß innerhalb dieser Kreise Versammlungen mit Rechtsprechung und religiösen Zeremonien abgehalten wurden (allerdings sind zumindest die Ringe in Ekornavallen recht klein). Im Innern der Kreise befanden sich Gräber aus der Zeit nach der Zeitenwende.
Die 12 aufrecht stehenden Steine, die hier gefunden werden, sind ziemlich genau in einer Nord-Süd-Achse aufgestellt. Dies könnte entweder entlang einer heute nicht mehr vorhandenen wichtigen Straße gewesen sein oder aber auch kultische Bedeutung gehabt haben. Natürlich könnten sie auch Grabsteine i.e.S. darstellen.
Weiterhin findet man in Ekornavallen 7 Steinsetzungen aus der Eisenzeit und eine Steinsetzung in Dreieckform, die aus der ausgehenden Eisenzeit (um 1000 u.Z.) stammt.

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Dolmenring nord-westlich von Girommen.
 

Mittelalter

Der in alten Dokumenten aus dem 13. Jahrhundert erwähnte Ortsname "Lincornae Wall(i)um" wird allgemein als Name für Ekornavallen angesehen. Um 1100 u.Z. hielt dort der Magistrat Alli (oder Alle) Versammlungen ab und sprach Recht.
Es ist nicht unüblich, daß bedeutende historische Stätten in nachfolgenden Jahrhunderten als Versammlungsorte dienten.

Neuzeit

In der Neuzeit geriet Ekornavallen in Vergessenheit und war von Dickichten überwuchert. Um 1890 wurden diese abgeholzt, wobei die archäologischen Überreste stark beschädigt oder sogar verschüttet wurden.
Erst ab 1944 setzten Aufräum- und Erhaltungsarbeiten ein. Heute dient das Gebiet als Schafsweide und ist im Besitz des Staates. Es gibt eine lokale Gruppe, die sich "Ekornavallens Freunde" nennt und sich um den Zustand des Gebietes kümmert.

Meine Besuche in Ekornavallen

Das erste Mal, als ich Ekornavallen besuchte, war 1992. Ich war damals so beeindruckt von der Ruhe, die die Geheimnisse von tausenden von Jahren zu bewahren schien. Ich nahm mir vor, jedes Mal, wenn ich in der Nähe bin, wieder bei Ekornavallen vorbeizukommen.
1997 kam ich zurück und fand Girommen umzäunt vor. Der Grund war, daß die Steine baufällig wurden und zusammenzustürzen drohten. Doch dann, im Sommer 1998, war der Zaun wieder weg und die großen Steine waren nun durch Aufschüttungen kleinerer Steine gestützt (Foto). 1997 und 98 arbeitete ich mit den Runen an diesem Ort und hatte interessante Ergebnisse.

 
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Blick vom Cairn zu Girommen, rechts ein weiteres Ganggrab
und das Steinkistengrab. Hinter Girommen ist ein Domarring zu sehen.
 

Quellen:

 

Seiteninfo: 1.Autor: Stilkam | 2.Autor: ING | Weitere Autoren: - | Stand: 01.06.2013 | Urheberrecht beachten!