Brettspiel: Die Wikinger kommen!

Die Wikinger kommen

Der Spieldesigner Alex Randolph ist in Deutschland wohl am besten durch sein "Spiel des Jahres 1983", Sagaland, bekannt. Auf die Idee, eine moderne Version von Tablut (s. Hnefatafl hier und hier) zu kreieren, kam Randolph vor "einem halben Jahrhundert", als seine damaligen Mitstudenten plötzlich alle ein "altes Wikingerspiel" dieses Namens spielten. Doch dieses Spiel gefiel Randolph nicht, er meint, es gebe eine "erzwungene Gewinnstrategie" für eine Seite. Also begann er, an einer modernen Version zu arbeiten, die in Deutschland dann 1994 / 96 bei der Altenburger und Stralsunder Spielkarten-Fabriken AG in Leinfelden erschienen ist. (Hintergrundinfos aus dem vierseitigen Regelheft)

Die Wikinger kommen Wie auf den Fotos zu sehen, ist es ein einfaches Spiel mit farbigen Holzspielsteinen, wobei Türme und normale Steine zu unterscheiden sind. Die grundsätzliche Spielmechanik von Hnefatafl wurde minimal verändert. Hinzugekommen ist ein neues Spielfeld, das eine Insel simuliert, die besiedelt wird. Es gibt insgesamt vier Teile, in in verschiedenen Kombinationen miteinander verbunden werden können. Jedes Teil hat ein bis drei Gebiete. Stehen nur noch Steine der gleichen Farbe in einem solchen Gebiet, dann gilt es als erobert und der Spieler stellt einen eigenen Turm dort auf. Je nach Mitspieleranzahl (Spiel für 2-4 Personen ab 10 Jahren) müssen für den endgültigen Sieg drei oder fünf Gebiete in dieser Form erobert werden.
Bei den Regeln führte Randolph das Springen ein: neben waagrechtem und senkrechtem Ziehen können Spielsteine nun über eigene und gegnerische Spielsteine springen - und das gleich mehrfach, wenn die dahinterliegenden Punkte frei sind. Dies und die Tatsache, daß man nach dem Gefangennehmen einer gegnerischen Figur gleich noch mal ziehen darf, macht dieses Spiel wesentlich dynamischer als das herkömmliche Hnefatafl.

Die Wikinger kommen Fazit: Die Idee mit den Inselteilen ist nett, aber letztlich ist es für das Spiel egal, wie diese kombiniert werden, d.h. so ein richtig großer Abwechslungsreichtum wird nicht erreicht. Das Springen gefällt mir persönlich nicht, was vielleicht auch damit zu tun hat, daß ich die "Originalregeln" (oder das, was man dafür hält) lieber mag. Das Einnehmen von Gebieten, Besetzen mit Türmen, die ihrerseits auch wieder geschlagen werden können, gefällt mir hingegen gut. Insgesamt ist Die Wikinger kommen! nicht unbedingt ein Meilenstein der Brettspielgeschichte, aber doch eine schöne Variante, wenn man grundsätzlich Hnefatafl-ähnliche Spiele mag. Ich würde übrigens dazu raten, Kindern zuerst die traditionellen Regeln beizubringen, da das Springen hier doch wesentlich vorausschauenderes Denken voraussetzt.

 

Seiteninfo: 1.Autor: Stilkam | 2.Autor: ING | Weitere Autoren: - | Stand: 01.06.2013 | Urheberrecht beachten!