Verein für Germanisches Heidentum e.V. (VfGH)

Odinic Rite Deutschland (1995-2006) Der heutige VfGH wurde am 11. Lenzing 1995 in Köln von neun Personen gegründet - ausgehend von einer Initiative Bernd Hickers ('Thorbern'). Der so entstandene Odinic Rite Deutschland (ORD) war eine Tochtergruppe des britischen OR, da Bernd - wie auch andere - die OR-Adresse in den Runenbüchern von Edred Thorsson gefunden und sich dorthin gewandt hatte. Er wurde "Professed Member" im OR, was im späteren ORD als "Schwurmann" bezeichnet werden sollte, und übernahm die Aufgabe, einen deutschen Ableger zu gründen. Doch bereits der junge ORD sah sich als von der Mutterorganisation weitestgehend eigenständig, so daß z.B. Rituale nicht 1:1 ins Deutsche übertragen und benutzt wurden. Aus der Erarbeitung eigener Strukturen und Ritualabläufe entstand so die für den heutigen VfGH prägende Vorstellung von der "Leitidee Freies Heidentum". Darunter sind Unabhängigkeit, Autonomie, Selbstbestimmung als religiöse Gruppe zu verstehen: Freie Heiden rekonstruieren die Kultpraxis auf der Basis von Quellen, orientieren sich an keinem 'Meister', geben sich selbst Form und Verfassung. Auf der individuellen Ebene bedeutet dies, daß man praktizieren kann, was man möchte, - solange man es hinter der Vereinspraxis zurückstellt bzw. auf Vereinsebene auch nur das vertritt, was der Verein offiziell vertritt.

Thorbern leitet die ersten 7 Jahre die Geschicke des Vereins als Vorsitzender, bevor er diese Rolle beim Ostara-Thing 2002 an Folkhere (Volker Kunze) abgab. Nach ihm übernahm 2006 Haimo Grebenstein den Vorsitz, der 2010 von Olaf Peckmann abgelöst wurde.

Das Bundesthing 2004 war ein Meilenstein für den ORD: Zum einen wurde eine neue Satzung beschlossen, die die völlige Eigenständigkeit gegenüber dem britischen OR deklarierte. Zum anderen wurde das Prinzip der Regionalisierung eingeführt, also eine Strukturierung des Vereins auf der Basis regionaler Gruppen ('Herde') sowie überregionaler Landgilden. Im gleichen Jahr erschien das Buch Das Heilige Fest von Asfrid (Fritz Steinbock), das die Kultpraxis des ORD für jeden Interessierten darlegte.
Im Jahr 2006 folgte der nächste große Schritt: die völlige Loslösung vom britischen OR - und die Umbenennung in Verein für Germanisches Heidentum. Dies war notwendig geworden, da der OR - allgemein ausgedrückt - in einem zunehmend politischen Fahrwasser anzutreffen war, das für den VfGH nicht mehr akzeptabel war.

Von 2002 bis 2005 war der ORD Mitglied in der Dachorganisation KultURgeister. Der Austritt erfolgte aufgrund von Tendenzen in der Organisation zu einem 'gemeinsamen Glaubensbekenntnis' aller Mitgliedsvereine im Sinne eines 'Einheits-Neuheidentums'.

Im Jahr 2006 organisierte der VfGH mit dem Eldaring zusammen ein Sommerlager. 2008 war der VfGH an der Durchführung des 1. Internationalen Asatru Summer Camp in Dänemark beteiligt; ebenso ist er in die Organisation des 2. Summer Camp involviert.

Seit 2007 bietet der VfGH sogenannte Ritualdienstleistungen an. Das heißt, man kann den Verein z.B. kontaktieren, wenn man eine germanische Eheleite wünscht.

Ausführlichere Informationen bietet die VfGH-Broschüre Traditionelles Germanisches Heidentum in heutiger Zeit (PDF-Dokument) sowie natürlich die Webseite: www.vfgh.de.

Meine Familie war seit dem Ostarathing 2002 und bis Ostara 2011 Mitglied im ORD / VfGH. Im Jahr 2006 habe ich beim Bundesthing meinen Schwurmanneneid abgelegt. 2006 gründeten wir den damaligen Herd Confluentes mit, der sich nach unserem Fortgang in Samanunc umbenannte (und 2011 geschlossen den VfGH verließ).


Nicht alles, was den VfGH heute ausmacht, gefällt mir. So die Entwicklung bei den Schwurleuten in Verbindung mit der Frage, ob der Verein als solcher eine Heilsgemeinschaft darstellt. Ursprünglich legten die Schwurleute einen doppelten Eid ab: zum einen auf die Götter (unwiderruflich), zum anderen auf die Gemeinschaft (widerrufbar). Dies wurde 2006 geändert, der Teil auf die Gemeinschaft fiel weg. In einer Diskussion wurde ein gewisser Konsens hergestellt, daß zwar die Herde - als Untergruppen - als Heilsgemeinschaften angesehen werden können, aber nicht der komplette Verein. Ich fand dies schade. Dies wurde mit Thingbeschluß 2008 auch 'offiziell' festgehalten: der VfGH ist keine übergreifende Heilsgemeinschaft. Damit ist der ursprüngliche Sinn der Schwurleute entstellt worden. Es bleibt "nur" noch ein Eid gegenüber den Göttern, dem man durchaus auch privat ablegen kann. Dementsprechend wurde auch anderweitig 'reformiert': Nun muß auch der Herdwart, also der Leiter eines Herdes, kein Schwurmann mehr sein. Hinzu kommt auch, daß es nun nicht mehr nötig ist, andere religiöse Gemeinschaften zu verlassen, um VfGH-Mitglied zu werden. Das heißt, man kann durchaus Mitglied der katholischen Kirche und VfGH-Mitglied sein. Das war zu meiner Eintrittszeit noch anders, obgleich es sehr locker gehandhabt wurde. Man kann aus diesen Entwicklungen ableiten, wenn man möchte, daß eine gewisse Exklusivität zugunsten des Abbaus von 'Hürden' aufgegeben wurde. Man kann das Verwässerung nennen, man kann es auch als 'Öffnung' und 'Transparenz' deklarieren - je nach Standpunkt. Nicht einverstanden war ich außerdem mit der Einführung der Ritualdienstleistungen (Ritual gegen Geld), was ich für meine Person immer abgelehnt habe, da ich mit den "Käufern" in keiner Form eine Heilsgemeinschaft bilde.

Seiteninfo: 1.Autor: Stilkam | 2.Autor: ING | Weitere Autoren: - | Stand: 01.06.2013 | Urheberrecht beachten!